Aktueller SI-Index, Mai 2016
Social Urban Zone

Eine spielerische Versuchsanordnung zur Verunüblichisierung des Alltags in Form eines Trinkbrunnens, welcher nur so gut fliesst, wie sich die Menschen eines Quartiers auf die Idee der Social Urban Zone einlassen.

Hunziker Areal

Auf dem Hunziker Areal in Zürich Nord hat die Baugenossenschaft «mehr als wohnen» 13 neue Gebäude mit 450 Wohneinheiten gebaut. Es ist ein neuer Stadtteil entstanden. Seit Sommer 2015 wohnen rund 1100 Menschen verschiedenster Generationen, Schichten und Nationen aktiv zusammen.

Mitbestimmung, gemeinschaftliche, teils ganz neue Lebensformen, gelebte Nachhaltigkeit gemäss der 2000-Watt-Gesellschaft, eine vielfältige Infrastruktur, preisgünstiger Wohnungsbau und die hochstehende Architektur kennzeichnen das genossenschaftliche Quartier.

Konzept

Rahmen und Ausgangslage

Die Geschäftsleitung der Baugenossenschaft mehr als wohnen hat unter dem Titel „mehr als kunst“ ein Kunst und Bau-Projekt gestartet, welches u.a. folgende zwei Ziele verfolgt: -> Kunst soll nicht nur im Zusammenhang mit der Baute realisiert werden, sondern als Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens in die neue Siedlung integriert werden. „mehr als kunst“ soll langfristig einen Beitrag zur Wohn- und Lebensqualität leisten und nachhaltig wirken. -> Es sollen Künstler beauftragt werden, die sich mit sozialen und räumlichen Prozessen auseinandersetzen und eine Affinität zur Baugenossenschaft haben.

Auftrag an das Atelier für Sonderaufgaben

Im Frühjahr 2013 wurden Frank & Patrik Riklin vom St.Galler Atelier für Sonderaufgaben beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, das den Dialog zwischen Kunst und Architektur fördert und dem genossenschaftlichen Prinzip der Kooperation („Miteinander“) sowie der dialogischen Haltung Rechnung trägt. Unter dem Titel „Vision Social Urban Zone“ haben die beiden den Auftrag gekriegt, ihr künstlerisches Konzept in drei Phasen (Lancierung, Entstehung, Implementierung) umzusetzen.

Maximen der Riklin-Brüder

KUNST AM BAU IST MEHR ALS GESTALTUNG | Die Kunst am Bau soll mehr sein als ein Kunstwerk im klassischen Sinne. Sie soll als eine künstlerische Intervention im städtischen Raum verstanden werden. Die Intervention bringt den Ort in eine experimentelle Versuchsanordnung, die durch das „Ereignis der Kunst“ einen kulturellen Mehrwert sowie eine neue Wirklichkeit in Wahrnehmung und Nutzung des öffentlichen Raumes schafft. Dabei wird so weit als möglich auf klassische Gestaltungs- und Erscheinungsformen verzichtet.

KUNST AM BAU HAT EINE FUNKTION | Die Kunst am Bau soll sich so inszenieren, dass sie nicht bloss eine visuelle, ästhetische oder dekorative Unterhaltung ist, sondern eine sozial-dramaturgische und spielerische Dimension einnimmt. Dadurch hat die Kunst eine klare Funktion. Sie initiert durch den Eingriff eine städtebauliche Belebung. Mit dem Risiko, dass der Eingriff oder die Eingriffe zwischenzeitlich zur „Dekoration“ verkümmern, da die soziale Partizipation nicht funktioniert.

KUNST AM BAU ERZÄHLT EINE GESCHICHTE | Die Kunst am Bau soll Menschen miteinbeziehen und in einen Prozess der interaktiven Auseinandersetzung verwickeln. Die dabei entstehenden Geschichten sind Treiber und wichtiger Bestandteil der künstlerischen Vision. Sie verbreiten sich von Mund zu Mund und erzeugen öffentliches Interesse. Die Kunst am Bau wird zum Anziehungspunkt für neue und wiederkehrende Besucher und zelebriert sich selbst als künstlerisches Experiment. Das mögliche Scheitern ist Teil der Konzeptanlage des Kunstwerks und gehört zur Geschichte.

Vision Social Urban Zone

Die Social Urban Zone ist die Bezeichnung für einen Ort im öffentlichen Raum. Sie gilt als Instrument zur kollektiven Verunüblichisierung des Alltags und Steigerung der Attraktivität öffentlicher Plätze und Räume, wo sich Menschen aus verschiedensten sozialen Schichten spielerisch begegnen und aufhalten. Eine Social Urban Zone wird durch ein Konzept von interaktiven Kleinsteingriffen (auf dem Hunziker Areal durch das Quartiertelefon und die Ballspiele) in Kombination mit einem ungewohnten Trinkbrunnen bespielt und beeinflusst eine organische Entwicklung urbaner Räume. Der Trinkbrunnen ist kostenlos, offen zugänglich und fliesst nur so gut, wie sich die Menschen eines Stadtteils auf die Idee der Social Urban Zone einlassen. Die Währung heisst unübliche Handlung. Je mehr Dynamik, desto mehr Becher pro Stunde. Die verschiedenen Konstellationen und Inszenierungsmöglichkeiten, die sich vor Ort ergeben, widerspiegeln die Qualität und bringen den Glanz eines lebendigen sozialen Raumes individueller und kollektiver Entfaltung in den öffentlichen Raum zurück. Social Urban Zone wirken über den Planungsperimenter hinaus und bilden Identifikationspunkte für Stadtteile und Quartiere.

Zentraler Eingriff Trinkbrunnen

Der Trinkbrunnen kokettiert mit der Rolle eines Dorfbrunnens, wo sich Jung und Alt treffen und kennenlernen. Er besteht aus einer kleinen Wandöffnung in der Fassade, einem Blechtunnel sowie Druckknöpfen für das Auswählen der Flüssigkeiten. Der Trinkbrunnen ist ein 24 Stunden-Betrieb und offeriert den Vorbeigehenden eine ungewohnte, kostenlose Trinkquelle (Schoggi, Suppe, Tee, Kaffee, etc.). Durch das Integrieren der „Trinkquelle“ in einer Hausmauer wird die Installation zu einem ungewohnten Teil der Architektur, welche durch die reduzierte Formensprache und Ausgestaltung des Trinkbrunnens viel Raum für Fantasie, Vermutungen und Interpretationen zulässt. Was passiert, wenn eine solche Option geschaffen wird und sich als Attribut eines neuen Verständnisses für die Öffentlichkeit entwickelt?

Trinkbrunnenfluss

Der Trinkbrunnen fliesst nicht einfach so, sondern setzt die Partizipation der Menschen in Form von unüblichen Handlungen in ihrem Umfeld voraus. Ohne Mitwirkung trocknet der Brunnen aus. Das Spektrum der unüblichen Handlungen ist breit und lässt extrovertierte und stillere Interpretation zu. Entscheidend ist, dass die Wahl freiwilliger Natur ist. Jede unübliche Handlung kann nach der Ausführung dem Kunstwirt gemeldet werden, damit er sie erfassen und in die Auswertung einbeziehen kann. Ein sogenannter Sozialer-Identifikations-Index (SII) gibt an, wie viele Becher pro Stunde aus dem Brunnen fliessen. Dieser Wert wird monatlich durch den Kunstwirt von neuem berechnet. Folgende Indikatoren spielen dabei eine Rolle:

-> Anzahl unüblicher Handlungen der Bewohnerinnen und Bewohner
Die unüblichen Handlungen brechen mit den pers. Gewohnheiten und/oder mit gesellschaftlichen Normen. Die ausgeführten Interaktionen können jederzeit dem Kunstwirt gemeldet werden, damit er sie in die SII-Berechnung aufnehmen kann.

-> Anzahl Verbindungen über das Quartiertelefon
Das Quartiertelefon ermöglicht Anrufe ins Ungewisse und verbindet wildfremde Menschen miteinander, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Ein Protokoll gibt Auskunft über jede zustande gekommene Verbindung. Die Rufnummer lautet 044 500 26 83.

-> Anzahl erzielter Tore im Rahmen der offiziell durchgeführten Ballspiele
Die Ballspiele werden vom Kunstwirt geleitet und finden zwischen zwei möglichst durchmischten „Häusermannschaften“ statt. Wandöffnungen wie Türen, Fenstern und Balkone bilden die Tore. Ambulante Kreidespuren auf dem Asphalt markieren die „Torräume“.

Kunst und Architektur im Dialog

Durch das Integrieren der „Trinkquelle“ in einer Hausmauer wird die Installation zu einem ungewohnten Teil der Architektur, welche durch die bewusst reduzierte Formensprache und Ausgestaltung des Trinkbrunnens viel Raum für Fantasie, Vermutungen und Interpretationen entstehen lässt. Vor allem die Tiefe des Trinkbrunnentunnels erzeugt in manchen Köpfen die illusorische Vorstellung, als ob man mit dem Arm direkt in eine private Küche hineingreifen würde. Andere wiederum sprechen von einem „Hole in the Wall“, also einem „Loch in der Wand“, wo etwas „Überraschendes“ herausfliesst, während die Kinder und Jugendliche ihre Vorstellungen vom Innenleben des Trinkbrunnens auf die Wand skizzieren – ganz im Sinne des Kasperlitheater „De Zauberbrunne i de Wüeschti“, welches die ursprüngliche Inspiration für den Trinkbrunnen von Frank und Patrik Riklin bot.

Das Buch zur Social Urban Zone

Zum genaueren Verständnis des Gesamtkonzepts und dessen Zusammenhänge hat jede Wohnungseinheit ein Buch von den Künstlern erhalten, worin beschrieben ist, wie man den Trinkbrunnen zum Fliessen bringen kann. Ziel ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in die Rolle eines Gastgebers schlüpfen und ein unverwechselbares Image erhalten. Ein beigefügtes Plakat zeigt eine Illustration, was man sich unter einer unüblichen Handlung vorstellen kann. Entscheidend ist, dass die Wahl der „unüblichen Handlung“ absolut individuell und freiwillig ist.

Zahlen & Fakten zum Trinkbrunnen
Stand: Febr. 2016

  • Trinkbrunnen fliesst seit 323 Tagen (davon 223 Tage am alten Standort an der Hagenholzstrasse)
  • Insgesamt flossen bis heute rund 3000 Liter Flüssigkeit aus der Wand, was ca. 20’000 orangen Bechern entspricht.
  • Der bisherige Schnitt liegt bei ca. 4 Becher pro Stunde (SII)
  • Rund 50 Medien haben das Thema Social Urban Zone aufgegriffen und über den Trinkbrunnen berichtet
Künstler

Die Riklin-Brüder (*1973, leben und arbeiten in St.Gallen) machen Konzeptkunst mit Rückkopplungseffekt. Für ihre Arbeiten suchen sie den Weg aus dem White Cube und setzen dabei auf soziale Partizipation. Ihre Kunst geht stets ein Verhältnis mit anderen gesellschaftlichen Teilsystemen ein und begibt sich dadurch in eine Grauzone, in der noch viel kreatives Potential liegt, das es auszuschöpfen gilt. Was entsteht sind Konzepte mit massenmedialer Resonanz, besonderen Eyecatcher und langen Prozessen, die auf viel Eigeninitiative basieren. Projekte wie das „Null Stern Hotel“, „Bignik“ oder das „Gipfeltreffen“ erreichten internationale Anerkennung.

Archiv / Filmschnipsel

Rückblick

Am 27. Juni 2013 wurde der ungewohnte «Trinkbrunnen» in Leutschenbach, ohne laute Ansage, an der Nordfassade der provisorischen Geschäftsstelle von «mehr als wohnen» an der Hagenholzstrasse 106 installiert. Ein kleiner Schlitz in der Fassade, wo per Knopfdruck nicht Wasser, sondern Schoggi, Bouillon oder Kaffee herausfloss. Der Trinkbrunnen war rund um die Uhr in Betrieb.

Am 31. Januar 2014 wurde der Trinkbrunnen aus Lärmgründen eingestellt. Insgesamt flossen in der Lancierungsphase der Vision «Social Urban Zone» über 2000 Liter. Umgerechnet waren das etwa 14000 Becher.

Am 20. November 2015 wurde die Vision Social Urban Zone erstmals in Zürich auf dem Hunziker Areal gegründet, in Kooperation mit der Baugenossenschaft mehr als wohnen. Weitere Social Urban Zones in anderen Quartieren und Städten sind in Planung.

Ablaufshistorie

– Lancierung des Trinkbrunnens an der Hagenholzstrasse (Mai 2013)

– Trinkbrunnen wird aus Lärmgründen vorzeitig gestoppt (Januar 2014)

– Einbau des Trinkbrunnens an neuem Standort: am Dialogweg (März 2015)

– Immobilienunternehmen Senn steigt in den SUZ-Prozess ein (Juni 2015)

– Offizielle Gründung der Social Urban Zone auf dem Hunziker Areal (Nov. 2015)

– Runder Tisch wegen Widerstand gegen den Trinkbrunnen (Februar 2016)

 

Impressum

Auftraggeberschaft: Baugenossenschaft mehr als wohnen
Idee und Konzept: Frank und Patrik Riklin, Atelier für Sonderaufgaben
Gestaltung: Fabian Harb, Lukas Popp
Umsetzung Webseite: Lukas Popp

Aktuelle Kunstwirte: Frank und Patrik Riklin, 076 457 12 41
kunstwirt@socialurbanzone.ch

©2015, Atelier für Sonderaufgaben
www.sonderaufgaben.ch
www.mehralswohnen.ch

SI-Index
5 B/h

Der „Soziale Identifikations-Index“ (SI-Index) gibt an, wie viele Becher pro Stunde aus dem Brunnen fliessen. Dieser Wert wird jeden Monat durch den Kunstwirt nach einer bestimmten Formel von neuem berechnet (vgl. Das Buch zur Social Urban Zone). Messbare Indikatoren wie z.B. die Anzahl gemeldeter „unüblicher Handlungen“, die Summe der erzielten Tore im Rahmen der offiziell durchgeführten „Ballspiele“ oder die Häufigkeit der Verbindungen über das „Quartiertelefon“ spielen dabei eine tragende Rolle.

Quelle: Kunstwirt

Trinkbrunnen

Der Trinkbrunnen fliesst so gut, wie sich die Menschen auf die Idee und Vision der „Social Urban Zone“ einlassen. Je mehr Dynamik, desto grösser der Fluss! Ein sogenannter „Sozialer-Identifikations-Index“ (SII) gibt an, wie viele Becher pro Stunde aus dem Brunnen fliessen.

Reaktion auf die Reaktion!

Das hat uns sehr traurig gemacht. Eine Gruppe humorloser, leistungsorientierter „Menschen“ wollen Kunst nicht? Das ist aber kein Wunder bei diesen versauerten und verbitterten Menschen. Denn die sind beschränkt und die Fantasie und Imagination bei denen reicht bis zur Nasenspitze, mehr nicht! Die haben sich sicher mit der Nutzenmaximierung stärker beschäftigt, als mit der Kunst und der intelligenten Bedeutung von Kunst. Kunst „ist“ Aufregung, Ärger, Wut, Abscheu, schön, schlecht etc. Nicht nur gut und leise und weise.

PS: Es tut mir leid, dass ich das geschrieben habe, doch ich musste es tun. Anklagen kann man mich bei Wohnung Nr. 1106.

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Bewohner befürchtet Trinkbrunnen-Stopp!!!

Thomas Neumeyer <thoemen@gmx.ch> hat am 21. April 2016 um 23:11 geschrieben:

Hallo Frank und Patrik

The Battle for the Trinkbrunnen is on. They shall not pass!

Im letzten Rundschreiben der Geschäftsleitung mehr als wohnen klingt es so, als ob das Kunstprojekt der Social Urban Zone (SUZ) bald Geschichte wäre. Untenstehend meine Meinung, warum das schade ist.

Gruz Thomas Neumeyer

Gesendet: Donnerstag, 21. April 2016 um 23:09 Uhr
Von: Thomas Neumeyer
An: info@mehralswohnen.ch
Betreff: Aw: 8. Rundschreiben an die Bewohnenden und das Gewerbe des Hunziker Areals

Liebe Geschäftsleitung von mehralswohnen

Mit leichtem Befremden nehme ich zur Kenntnis, dass die GL offenbar klar in Richtung „zu ienem guten Abschluss bringen“ des Projekts tendiert. Ich muss sagen, dass ich das erstens wirklich schade und andererseits nicht gerade den Prinzipien (Partizipation und Innovation) entsprechend finde, dei sich diese Genossenschaft auf die Flagge und in die Statuten geschrieben hat. Mehr als wohnen hat sich mit dem Trinkbrunnen für ein spannendes Kunstprojekt
entschieden, statt einfach ein bisschen Kunst am Bau oder eine Betonskulptur aufzustellen. Was macht Kunst aus? Sie soll zum Denken anregen, kontrovers sein, vielleicht sogar ab und zu stören. All das macht die SUZ. Sie ist keine beliebige Spassinstallation, sondern nimmt Elemente aus, die mehralswohnen ausmachen (sollten). Eine Art Dorfplatz schaffen, mehr Interaktion generieren als sie in einem üblichen Quartier stattfindet.

Am Treffen zur SUZ im Frühling, an dem mehr als 20 Personen teilnahmen, waren die Rückmeldungen zum Trinkbrunnen überwiegend positiv. Viele Leute im Quartier nehmen den Trinkbrunnen als spannenden Farbtupfer wahr. Auch das
Tagging und die Kritzeleien an der Trinkbrunnenwand, ist für viele (auch für mich) kein Störfaktor, sondern eher ein lustiger Farbfleck im sonst sehr von grauen Betonwänden geprägten Quartier. Es wurden an der Sitzung verschiedene Lösungen andiskutiert, die Störungen zu minimieren. Die Pflanzentöpfe sind übrigens super. Es wurde auch gesagt, dass viele Leute gespannt darauf sind, ob im Sommer, wenn das gute Wetter kommt vermehrt Erwachsene den Trinkbrunnen
zum Kaffeetreffpunkt machen und sich damit den Raum aneignen, der aktuell v.a. durch die Kinder und Jugendlichen im Quartier beansprucht wird. Das nun das Projekt gestoppt werden soll, bevor der erste Trinkbrunnensommer überhaupt anfängt, finde ich schade und ehrlich gesagt ziemlich mutlos seitens Geschäftsleitung.

Es hinterlässt bei mir auch den säuerlichen Nachgeschmack, dass die
Mehrheitsmeinung am Treffen nicht wirklich von Belang war und der
partizipative Prozess eher eine Alibiübung. Wenn es tatsächlich so ist, dass sich mehr als die 3, 4 Leute massiv am Trinkbrunnen stören frage ich mich: Warum sind diese nicht zum Treffen gekommen? Das mitreden (auch wenn man etwas schlecht findet) gehört doch auch dazu. Ich gehe darum davon aus, dass die Kritiker die Minderheit sind.

Wenn es nur darum geht, dass die Geschäftsstelle keine Lust hat, sich
weiterhin mit gelegentlichen Klagen auseinanderzusetzen, finde ich: Sorry, aber das ist halt der Job. Unter anderem dafür haben wir eine
Partizipationsbeauftragte. Miteinander statt nebeneinander leben bedeutet mehr Reibung. Und das ist kein Makel, das ist eine Qualität.
Und das tolle am Trinkbrunnenprojekt ist, dass es genau diese Reibungsflächen im Alltag aufzeigt, sozusagen die Herausforderungen von mehralswohnen in einem Mikrokosmos spiegelt.

Ich hoffe, ihr haltet noch ein wenig durch und brecht das Projekt nicht
einfach nach den ersten Metern ab. Denn was spannend ist, an der SUZ ist nicht der Kaffee im orangen Becher, sondern der Prozess. Inklusiv Diskussionen, ein wenig Ärger, Farbklecksen, Veränderung und lustigen Szenen. Das ist für mich Kunst!

Gesendet: Donnerstag, 21. April 2016 um 13:26 Uhr
Von: info@mehralswohnen.ch
An: info@mehralswohnen.ch
Betreff: 8. Rundschreiben an die Bewohnenden und das Gewerbe des Hunziker Areals

Liebe Genossenschafterinnen und Genossenschafter

Im Abstand von rund sechs Wochen richten wir dieses Rundschreiben an alle, die auf dem Hunziker Areal wohnen und arbeiten. Darin enthalten sind Informationen, die Ihre Miete, den Betrieb des Hun­ziker Areals, Veranstaltungen oder die Mitwirkung betreffen. Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre.

Social Urban Zone

Der Trinkbrunnen bei mehr als wohnen ist ein Teil der Social Urban Zone und dem Projekt mehr als Kunst. Jedoch löst er in der Nachbarschaft auch erhebliche Unruhe aus. Wir haben Mülleimer aufge­stellt, mit Pflanzen eine bessere Abgrenzung zu Gewerben ergriffen und alle weiteren Massnah­men aus dem runden Tisch zum Thema Trinkbrunnen evaluiert. Leider fruchteten die Massnahmen nicht wie gewünscht und wir haben die Künstler Frank und Patrik
Riklin gebeten, bis Ende Mai eine lokale Verankerung der Social Urban Zone auf dem Areal sicherzustellen, die auch von Wohnungs- sowie Gewerbemietenden getragen wird. Sollte es nicht möglich sein, Kunstwirte zu finden, welche bereit sind, die SUZ gemäss dem Konzept zu betreiben und zu begleiten sowie auch auf Klagen und Beschwerden der Bewohnenden und Gewerbetreibenden
einzugehen, wird mehr als wohnen einen guten Abschluss des Projektes in Zusammenarbeit mit den Künstlern finden. Wir werden Sie selbst­verständlich weiterhin auf dem Laufenden halten.

Geschäftsleitung mehr als wohnen

 

Trinkbrunnenwand: Budget für Neuanstrich?

(Offener Mailaustausch zwischen einem Bewohner und den Riklins)

Bewohner: Hallo ihr Beiden, ich möchte bei euch Budget beantragen für einen richtig kitschigen Neuanstrich des Trinkbrunnens. Mittlerweile sind die ganzen Graffitis nämlich doch etwas am eskalieren… 2.5L Oecoplan Farbe pink, 29.95; 5L Oecoplan Farbe weiss, 29.95; 2 Roller, 23.90; Spraydose schwarz für Konturen, 5.50; Total 89.30, Liebe Grüsse (…)

Riklin-Brüder: Vielen Dank, lieber (…) für deine Mail. Klingt super, deine Idee, aber leider haben wir kein Budget. (…) Da muss eine „unübliche Handlung“ her! Herzliche Grüsse aus St.Gallen

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Immo-Firma will Social Urban Zone weiterentwickeln!

Das bekannte Immobilienunternehmen Senn hat sich mit den Riklins zusammengeschlossen, um die Social Urban Zone in weiteren Quartieren und Siedlungen in der Schweiz zu verankern. In den kommenden Monaten wird es dann konkreter. Ziel ist, den Social Urban Zone-Gedanken mit dem zentralen Eingriff des Trinkbrunnens gemeinsam weiterzuentwickeln. Was passiert, wenn sich die Idee der Social Urban Zone mit dem Trinkbrunnenkonzept an anderen Orten durchsetzt? Und als Servitut zu Gunsten der Öffentlichkeit in zukünftigen Grossüberbauungen vermerkt wird?

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Unübliche Handlung

Unübliche Handlungen brechen mit den persönlichen Gewohnheiten oder mit gesellschaftlichen Normen. Je mehr unüblich gehandelt wird, desto grösser ist der Trinkbrunnenfluss. Die Wahl einer unüblichen Handlung ist individueller/freiwilliger Natur und lässt extrovertierte und stillere Interpretation zu.

Lass deiner Fantasie freien Lauf!

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„Warum nicht mal von einer Strassenlaterne herunter grüssen und winken?“, fragte ich mich. Wenn das unüblich ist, dann könnte ich mir eine Besteigung einer Strassenlaterne im Hunziker Areal durchaus vorstellen. Ob die Anderen von unten mir wohl zurück grüssen würden?“

(Anonymisierte Fantasia, Hunziker Areal, 01.02.2016)

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„Alles was wir machen ist ja mit Gesetzen geregelt. Und wenn man mal etwas macht, wofür es keine Gesetze gibt, dann ja. Ich bin einmal mit dem Fahrrad durch den Globus gefahren. Und niemand konnte etwas sagen, weil es einfach noch nie vorgekommen ist. Wenn man Sachen macht, die überraschend sind und andere vor den Kopf stossen, löst man ein Nachdenken aus. Das bringt Kreativität für Neues in der Zukunft.“

(Anonymisierte Fantasia eines Trinkbrunnen-Passanten, 22.01.2016)

Erste unübliche Handlung gemeldet!

Yeah! Bewohner Thomas Neumeyer hat am 28.11.2015 in seiner Wohnung unter dem Titel „Nette Menschen, die ich vor einem Jahr noch nicht kannte-Dinner“ die allererste unübliche Handlung im Rahmen der SUZ-Vi
sion umgesetzt. Wir gratulieren! Und: er hat sie nicht nur gemacht, sondern auch gleich im Buch zur Social Urban Zone eingetragen – jetzt muss der Eintrag nur noch unterschrieben werden. :)) Wir sind gespannt auf mehr! Keep us updated, Thomas!

Frank und Patrik Riklin, Kunstwirtepaar I der Social Urban ZoneBild_SUZ_UH_1

Quartiertelefon

Das Quartiertelefon ermöglicht Anrufe in den öffentlichen Raum. Die Rufnummer lautet: 044 500 26 83. Je mehr unübliche Verbindungen, desto grösser ist der Trinkbrunnenfluss.

Drehlicht ist wieder ein Drehlicht :-)

Problem gelöst: Das Drehlicht des Quartiertelefons ist endlich wieder intakt. Martin Benz von der Holder Huber AG sei Dank. Sobald man in den öffentlichen Raum (Genossenschaftstrasse) anruft, dreht sich nebst einem leisen Klingeln das Licht der Rundumleuchte oberhalb des Telefons. Das Ganze kommt einem „Alarm“ gleich, welcher das unmittelbare In-Kontakt-Treten-Wollen einer Person mit dem Ungewissen markiert. Schon mal ausprobiert? Die Rufnummer lautet: 044 500 26 83.

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Quartiertelefon klingelt wieder!

Nachdem die Installation innenseitig (zwischen Apparat und Hausmauer) mit einer 0.5 cm selbstklebenden Isolierungsmatte ergänzt und mittels speziellen Schallentkopplungsdübel in der Wand befestigt wurde, hat die Baugenossenschaft mehr als wohnen den Klingelton wieder eingeschaltet. Laut Experten ist das Quartiertelefon jetzt vollständig getrennt vom Gebäude, so dass eine Übertragung des Klingeltons ins Haus über den Baukörper ausgeschlossen ist.

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Noch vor Weihnachten wurde mit dem Hauswart Felix Gast in den Wohnungen oberhalb des Quartiertelefons ein gemeinsamer Klingel- und Schalltest durchgeführt. Da die Fenster integrierte „Lüftungsschlitze“ aufweisen, bekommt man die allgemeinen Aussengeräusche mit. Folglich kann man auch das Klingeln des Quartiertelefons weiterhin hören. Jedoch nicht mehr direkt über die Wände mit dem unerwünschten Resonanzeffekt. Das ist das Wichtigste.

Rufnummer Quartiertelefon: 044 500 26 83

Schon über 160 Minuten Dialog!

Was für ein Start! Das Quartiertelefon ist seit drei Wochen in Betrieb und es wurde schon fast 3 Stunden lang über diesen „magischen Kanal“ telefoniert. Sowas nennt man Dialog-Lust in Reinkultur!

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Laut Protokoll verging bisher kein einziger Tag, an dem keine Verbindung zwischen zwei (sich unbekannten) Personen zustande kam.

Rufnummer Quartiertelefon: 044 500 26 83

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Klingelton ist zur Zeit deaktiviert!

Da die Geschäftstelle der Baugenossenschaft mehr als wohnen von den Leuten, die über dem Quartiertelefon wohnen, bereits wiederholt Lärmklagen erhalten hat, wurde der Klingelton im Sinne einer Sofortmassnahme vorläufig abgeschaltet.

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Laut Aussagen der Betroffenen wird der Klingelton stark hörbar im Haus übertragen, was vor allem nachts sehr störend sei. Wir sind nun daran, die Übertragung des Klingeltons mit einer zusätzlichen Schalldämmung zwischen Aussenwand und Telefonkörper zu beheben.

Ein Telefon ohne Klingel ist irgendwie doof…

 

Ballspiele

Die Ballspiele werden ausschliesslich vom Kunstwirt geleitet und finden in den Zwischenräumen der Häuser statt. Spontan bestimmte Wandöffnungen wie Türen, Fenstern und Balkone bilden die „Tore“. Je mehr Tore erzielt werden, desto grösser ist der Trinkbrunnenfluss.

Der Ball für die SUZ-Ballspiele ist schon mal bereit

Sobald der Frühling kommt, werden wir einen ersten Test mit dem speziell angefertigten Ball machen. Für die im Rahmen der Social Urban Zone durchgeführten Hunziker-Ballspiele bilden architektonische Wandöffnungen wie Türen, Fenster oder Balkone die „Tore“, welche vor Spielbeginn spontan und in Absprache mit den betroffenen Mieterinnen und Mieter bestimmt werden. Es wird empfohlen, den präparierten (weichen) SUZ-Ball zu verwenden, damit keine Schäden entstehen.

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Erstes Ballspiel findet im Frühsommer 2016 statt!

Die beiden Kunstwirte werden im Frühsommer eine Doodle-Umfrage via Hunzikernetz starten, wo man sich für das erste offizielle Ballspiel auf dem Hunziker Areal eintragen kann. Ziel ist, dass zwei möglichst unübliche und altersmässig gut durchmischte Mannschaften entstehen.

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Was, wenn ein Eingang zum Tor wird? ;-)

Orange Netze signalisieren temporär ein Tor. Die Tore befinden sich grundsätzlich in den Zwischenräumen von Türen und Fenstern oder anderen architektonischen Öffnungen wie Balkone. Es spielt mit der Verkörperung von Kunst und Architektur im Dialog.

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